Pfr. Th. Hofmann, Nikodemuskirche Bth., 4. So. d. Passz. Lätare, Joh. 6, 47-51, 30.03.2025

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen
Es gibt ein Volk, da haben die Bibelübersetzer das Vaterunser, das Jesus uns im neuen Testament zu beten lehrt, so übersetzt: "Unsere tägliche Banane gib uns heute." Ja, weil dort in diesem Volk kein Brot üblich ist, weil man dort kein Getreide malt oder zumindest nicht durch Hitze verbackt zu irgendwelchen Backprodukten. Gemeint ist auch im Gebet, dass Gott uns mit allem versorgt, wie Luther sagt, was uns für Leib und Seele nötig ist, und so wollen wir heute nach der Speisung der Tausenden, die Jesus damals mit Brot und Fisch beschenkte. Er nahm das Wenige, was die Menschen hatten, er hob es zum Himmel, dankte Gott und die Körbe wurden immer wieder voll. Da hat er über sich Folgendes gesagt und das ist heute unser Predigtabschnitt: Joh. 6,47-51

"47. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.
48. Ich bin das Brot des Lebens.
49. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.
51. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch - für das Leben der Welt."

Soweit dieser Bibelabschnitt. Wollen wir in der Stille um Jesu Reden, lebendig zu uns, bitten: Segne du Reden und Hören durch die Kraft deines Heiligen Geistes. Amen

Die Vielfalt an Brotsorten in Deutschland ist einzigartig. Wenn man in anderen Ländern zu Besuch ist, vielleicht in Urlaub oder bei Geschäftsreisen, da hat man schon, verglichen mit der deutschen Brotqualität, den Eindruck, die Bäcker müssten beten, unser tägliches Brot vergib uns heute, weil es dann irgendwann so weich und latschig ist, dass man es irgendwann nicht mehr so richtig sehen kann, wenn man die guten deutschen Brotsorten gewöhnt ist. Aber das ist viel umfassender gemeint. Gott ist der Versorger. Von Anfang an hat Gott den Menschen das Getreide, aber auch die Fähigkeit gegeben, das ja als Nahrungsmittel zu gebrauchen, und es wurde tatsächlich zum täglichen Brot, zum Grundnahrungsmittel für ganz, ganz viele. Allerdings kam auch der Sündenfall mit hinein. Da wurde es plötzlich rar und mühsam. Da hat Gott den Menschen zur Strafe gesagt: "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen." Das heißt, die Arbeit ist in Gottes Schöpfungsplan mit drin, dass wir kreativ sind, dass wir produktiv sind, dass wir uns und einander Auskommen schaffen. Das ist in der Schöpfung angelegt, aber erst durch diesen Riss, der erst durch die Himmelswelt ging und dann durch den Menschen selbst oder auch zwischen Gott und den Menschen trat. Dadurch wurde es alles mühsam und der Acker hat Disteln und Dornen getragen. Im Bild gesprochen bis zum heutigen Tag ist Arbeit oft mit Frust, mit Misserfolg, mit Umwegen verbunden und wir machen uns die Hände oft schmutzig, ja sogar rissig, wenn wir ihr nachgehen. Und erst recht hat dieser Sündenfall die Verteilungsungerechtigkeit natürlich befeuert. Da sind manche Kinder, die containern müssen, die ihr Weniges, was sie essen, in dem Fall sind es Äpfel, aus den Mülltonnen glauben. Ich habe erst gedacht, es wäre eine durch künstliche Intelligenz gefertigte Abbildung. Aber zumindest nach der Bildbeschreibung der Fotoagentur sei es doch ein Foto gewesen, im diesigen Zustand. Und auf der anderen Seite, das ist nun aber wirklich gefaked, gibt's manche, die den Hals nicht voll genug kriegen. Aber gemeint ist hier nicht ein Mensch, der einfach viel zu essen hat, sondern gemeint ist der Überfluss, ja manchmal sogar die Verschwendung und Vernichtung von Nahrungsmitteln, die teilweise zum Himmel schreit.

Ich habe am Wochenende meine Konfirmandinnen und Konfirmanden zu diesem Thema "Brot des Lebens" gefragt und auch in verschiedene Neigungs- und Hobbygruppen eingeteilt, und sie haben unter anderem folgende Zeichnungen gemacht. Da ist eine Schüssel oder eine kleine Tasche mit leckerer Brotzeit und wir sind absolut dankbar oder lasst uns wieder dankbar werden für gutes Essen. Wem danken wir da? Natürlich den Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, denen, die in Bäckereien, Käsereien und anderen produzierenden Nahrungswerken arbeiten, die im Handel wirklich bei langen Öffnungszeiten teilweise zwischen 7 und 21 Uhr dort stehen und uns das zur Verfügung stellen und vorher schon in die Regale räumen, natürlich denen, die jeweils einkaufen, für unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden sind es in der Regel die Eltern, und es dann auch zubereiten und auf den Tisch stellen. Und so haben wir rausgefunden, wir können auch sehr dankbar sein für Gott. Denn an jeder Stelle dieser Nahrungslieferkette ist Gott beteiligt, davon angefangen, dass unsere Felder nicht verbrannt sind oder von Panzern durchgraben, dass unsere Getreidespeicher nicht brennend geschossen werden bis hin zu einem gesunden Magen, der uns das überhaupt essen und bekommen lässt. Das ist nicht selbstverständlich.
Eine andere Konfirmandin hat es so gezeichnet, da ist ein voller Tisch. Wir sehen Äpfel, Trauben, Bananen, Kürbisse, Brot, hinten einen Fisch, Tomaten und vieles andere mehr, eine Packung Milch. Und die Tische biegen sich förmlich bei denen, die einigermaßen ein Auskommen haben.

Und auf der anderen Seite: Unser wahrer Hunger wird nicht dadurch gestillt, das weiß schon Jesus, sondern unser wahrer Hunger wird am Kreuz gestillt. Wenn wir noch so viel essen, wenn wir noch so viel konsumieren. Wenn wir uns noch so elektrisch unterhalten und unterhalten lassen, bleibt doch unsere Seele hungrig, wenn sie nicht auftankt bei dem lebendigen Gott. Deshalb hat die Bibel, hat das alttestamentliche Hebräisch, den Menschen "Nefesch" genannt, das heißt Person, Seele, Kehle, Hunger, Bedürftigkeit, Durst und vieles andere mehr. Wenn da steht: "Lobe den Herrn, meine Seele", ist es alles mit gemeint und wenn ein Psalmdichter etwa spricht: "Du hast meine Seele getröstet" oder, ? "nimmst dich meiner Seele an", dann ist es immer der ganze Mensch, einschließlich der ganzheitlichen Bedürftigkeit.

Was macht uns letztlich satt? An der Stelle spricht Jesus von sich selber, dass er das Brot des Lebens ist. Das deutet auf zweierlei hin, zum einen, dass Jesus sich für uns ganz gibt und ganz opfert. Er hat nichts übrig gelassen. Er blieb nicht sozusagen mit einem Bein im Himmel, sondern kam für dich und mich auf diese von Tränen und Blut gedrängte Erde, um an unserer Seite zu stehen und sich uns zur Speise zu geben als Kraftquelle. Das deutet zum anderen drauf hin, dass Jesus im heiligen Abendmahl die Worte, diese berühmten Einsetzungsworte gesprochen hat, während eines jüdischen Passafestes, dem letzten mit seinen Jüngern: "Das ist mein Leib ?", das bedeutet, das bin wirklich ich für euch. Nehmt davon, esst, werdet an mir satt; und er sagt zum Becher: "Das ist mein Blut ?", also das ist mein Leben. Mein Leben soll jetzt in dir pulsieren, mein Leben an Liebe, an Gerechtigkeit, an Demut, an Integrität, an Dasein für dich und andere. Das soll jetzt in dir leben. Der Herzschlag Jesu soll in dir und mir weitergehen und wir dürfen das bei jedem heiligen Abendmahl neu empfangen. Wir haben es kürzlich empfangen und wir werden es wieder tun am 13.04. bei der Konfirmation, zu der übrigens auch Gemeinde, Kerngemeinde, herzlichst eingeladen ist, denn ich sag' mal von unserem Sprengel allein wird diese schöne Kirche nicht voll. Heute ist auch eine große andere Veranstaltung und Gottesdienst, aber verzage nicht, du Häuflein klein, es kommt auf den an, der zu uns spricht an diesem Tag und immer wieder neu.

Jesus hat mit seinen Worten, dass er seinen Leib gibt und dass nur die an ihm Anteil haben, die sein Fleisch sogar essen, viele damals vor den Kopf gestoßen. Bei der Lebensbrotrede gingen ganz viele weg und haben gesagt: Was redet der? Der ist völlig verwirrt. Will der wirklich sozusagen, dass wir da kannibalistisch an ihm rumknabbern oder was spricht er? Die Menschen haben es nicht verstanden, dass er nur wenige Zeit später wirklich sein Leben, sein Blut für uns geben wird. Und da sollten auch wir erinnert sein, dass wir über Dinge im Wort Gottes nicht weggehen, wenn wir es nicht verstehen. Luther sagt: "Vor Sätzen in der Bibel, die ich nicht verstehe, ziehe ich meinen Hut", das heißt, wir sollten sie mit Respekt aufbewahren und drum bitten, dass wir sie eines Tages noch verstehen und nicht da verwirrt oder verstört weglaufen."
Zweitens, auch nicht über Dingen vielleicht in deinem und meinem Leben, die wir nicht verstehen, glaubt mir, ich kann das aus eigener Erfahrung sehr, sehr gut nachvollziehen. Wenn man die Güte und Liebe Gottes, seine Erhörung, seine Verheißungen nicht immer und nicht immer gleich in unserem Leben ablesen kann, sondern wenn es dadurch ganz lange Wartezeiten oder dunkle Leidenszeiten geht und wir das Leiden Jesu zwar nicht nacherleben müssen, aber dennoch mitfühlen können in dieser Frage nach dem "Warum". Jesus hat sein Kreuz getragen. Er ist nicht geflohen. Er hat für dich und mich alle Last der Zerrissenheit, der Schuld und auch der von Gott wegstrebenden Bestrebungen und Begierden getragen. Und er hat sie bis zum letzten Blutstropfen für uns bezahlt und deshalb ist er für uns zum Lebensbrot geworden. Nicht, dass wir traurig drein sehen, wie Luther sagt, sondern dass wir es uns schenken lassen. Es ist so, als würde Gottes Hand dir heute neu das Brot des Lebens hinhalten, das Wort Gottes, und sagen: Ich komme ganz mundgerecht. Jetzt iss! Jetzt werde satt! Und was hat das zur Folge?
Auch da noch mal ein Bild aus der Ernährungsphysiologie. Die Nährstoffe, die wir zu uns nehmen, haben nämlich zwei Funktionen. Die einen erhalten die Energie. Das sind meistens die Kohlenhydrate. Und die anderen, schwerpunktmäßig die Proteine, die werden in uns hinein verwandelt, die werden eingebaut in unsere Muskulatur, sowie übrigens auch ganz wichtige Fettsäuren und Fette eingebaut werden in unseren Kreislauf, in unseren Stoffwechsel.
Also einerseits Energie gibt es, wenn wir das Wort Gottes, Jesus, hören und das Heilige Abendmahl nehmen, aber wir dürfen auch wissen, da kommt immer eine Eigenschaft Jesu und wird zu deiner Eigenschaft. Da kommt ein geistlicher Proteinbaustein und verwandelt sich in deine Kraft. Da wird das Wort Gottes in dich verwandelt, dass du auf einmal Jesu Geduld, Jesu Liebe, Jesu Kraft und Jesu Dienstbarkeit und Opferbereitschaft, seine Demut und wunderbare Geduld mitkriegst, weil es in dein Leben eingebaut wird, so wie Nahrung dann sich wiederfindet in starken Knochen, in einer erhaltenen starken Muskulatur und Nerven, die seine Leitungen und seine Signale weitersenden. Man könnte physiologisch dieses Bild an vielen Dingen aufzeigen. Aber wenn Jesus unsere Nahrung ist, wenn sein Wort, sein heiliges Abendmahl sich in uns verwandelt und eingebaut wird in unser Leben, dann dürfen wir wissen: Er lebt jetzt in uns! Und dieses Geheimnis haben die ersten Christen beschrieben mit dem Heiligen Geist.

Er wohnt und lebt und wirkt in uns. Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Und deshalb, liebe Schwestern und Brüder, esst reichlich, esst jeden Tag, seid auch nicht stolz drauf. Ihr sagt ja auch nicht: Ach, was bin ich für ein toller Mensch. Ich habe heute gefrühstückt. Aber geht nicht mit geistlicher Mangelernährung in die Herausforderungen eines Tages, sondern immer mit einem Wort Gottes und Jesus in dir, dann wird er dich einmal dorthin bringen, wo wir auf der Zielgeraden sind, wo wir aufblicken dürfen und einmal auf der goldenen Straße laufen zu dem großen Festbankett im Himmel seiner Herrlichkeit. Möge er uns diesen Weg führen und die Wegzehrung seines Wortes niemals fehlen lassen. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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