Predigt Karfreitag, 18.04.2025 Nikodemuskirche Bayreuth, Pfr. Thomas Hofmann.
Themengottesdienst: „Die Hand“.

Wenn du auf einer Bergtour einen großen Schritt über einen 90m tiefen Abgrund tun musst und merkst: Ohne Halt auf der anderen Seite würdest du zurück-kippen, dann ist es NICHT egal, welche Hand sich dir entgegenstreckt.
Diese Hand muss vertrauenswürdig sein.

Wenn du in einer Großstadt Kleidung shoppen gehst, in der Umkleide ist dir dein Geldbeutel im Weg, und du reichst ihn blind neben dem Vorhang heraus – dann ist es NICHT egal, welche Hand deine Brieftasche nimmt, mit Bargeld, EC- und Kranken-Karte und allen Papieren.
Diese Hand muss vertrauenswürdig sein.

Wenn du bewusstlos daliegst und sich eine rasiermesserscharfe Schneide an deinen Hals setzt, dann ist es NICHT egal, ob da die Hand eines grausamen Gewalttäters am Werk ist oder das Skalpell in der Hand eines begnadeten Chirurgen, der dir nur helfen will.
Diese Hand muss vertrauenswürdig sein.

Alles in Gottes Hand legen,
alles in Gottes Hand lassen,
alles aus Gottes Hand nehmen.
Spruch aus einem alten Bauernhaus

1. Alles in Gottes Hand legen

Wenn ich etwas in Gottes Hand legen soll, will ich zuerst wissen, was das für eine Hand ist. ob sie vertrauenswürdig ist.

1.a) Gottes mächtige Hand

Dass Gottes Hand uns in Jesus liebevoll begegnet, ist keineswegs selbstverständlich. Denn Gott ist auch der Heilige, der Strenge, von dem das Neue Testament sagt:
Schrecklich ist’s in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ – nämlich für den Menschen, „der den Sohn Gottes mit Füßen tritt“ (Hebräer 10, 31.29)
Wenn die Bibel Strafen und Gerichte Gottes schildert, wird es oft so formuliert: Gottes Hand liegt – z.B. nach un-bereinigter Schuld – schwer auf einem Leben, vielleicht auf einer ganzen Gemeinde, auf einem Volk, auf einer Nation.
Einerseits JA nicht dem Fehlschluss erliegen, als käme jedes besondere Leid von einer besonderen Schuld. Das wäre falsch und unbarmherzig.
Andererseits möge sich BITTE jede und jeder freiwillig vor dem heiligen Gott prüfen, ob wir nicht einzeln oder als Gemeinschaft irgendeine Schuld begangen oder verschwiegen haben – und dadurch ganz viel Segen, Erhörung, Vollmacht verloren haben.
Wer nicht wirklich mit Gott ins Reine kommen will, wer aus Feigheit, Faulheit, Peinlichkeit oder anderen Gründen Gottes Reinigung ausschlägt, dem ist keine Gnade verheißen.
Bitte kein verharmlosendes Reden vom „lieben Gott“, solange Gott uns teilweise noch herzlich egal ist.

1.b) Jesu Retterhand

Aber wunderbar: Jesus streckt uns Gottes Retterhand entgegen.

Großformatiges Gemälde des Künstlers Mark Demel, Acryl auf Leinwand. 1,80x 2,40m. Er hat dieses Motiv mehrfach gemalt, in unglaublicher Zeit von nur 40-50 Minuten. Dieses Bild 2004 im Schönblick. Eine Christin aus unseren Reihen hat es dem Schönblick abgekauft. Dann hing es einige Jahr in der Bayreuther Auslands-Gemeinde CAS = Come and See. Jetzt hat die Besitzerin es der Nikodemuskirche geschenkt.

Die Hand“:


Wenn eine Firma übergeben wird oder ein Haustier, dann sagt man oft: „Hoffentlich in gute Hände!“

Willst Du Dein Leben in diese Hand legen? Was wäre das für ein Gewinn, wenn Du das tätest! Und was wäre das für ein unglaublicher Wie macht man das? Alles IHM anvertrauen, mit Geist, Leib und Seele, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft meines Lebens.

(Schildern!! Und freies Übergabe-Gebet anbieten)

2. Alles in Gottes Hand lassen

Alle Eure Sorge werft auf Gott, denn ER sorgt für Euch.

Geduld. Es liegt Kraft in dem Warten auf den HERRN.

„Wenn Gott lange schweigt, dann will er reden.“ (die deutsche Schriftstellerin Gertrud von le Fort)

Wir neigen dazu, die Nöte und Sorgen dann wieder auf uns selbst zu nehmen.

Wenn wir arbeiten, arbeiten wir, aber wenn wir beten, arbeitet Gott.

Wenn wir das Anliegen, die Not Gott ganz übergeben haben, dann darf man, anstatt weiter zu bitten – das darf man natürlich auch – sogar kühn danken, dass ER es in seine Hände genommen hat.

3. Alles aus Gottes Hand nehmen

Jesus betete in Gethsemane: „Aber nicht was ich will, sondern was Du willst.“ Mk 14,36

Hiob 1, 21: „Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!

1.Petr 5,6: So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.

Letzten Mittwoch, am 9.4. war der 80. Todestag von Dietrich Bonhoeffer: „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand“ -
ja, was ist dann? Wir sind nicht ein Bonhoeffer, der gesagt hat: „so nehmen wir ihn dankbar, ohne Zittern, aus deiner und geliebten Hand.“

Und derselbe Bonhoeffer hat geschrieben:

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
daß Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.

Das heißt nicht, dass wir alles Schwere als gottgegeben hinnehmen müssten. Wenn man irgend kann: nicht nur passiv sein! Denn Gott sei Dank dürfen wir IHN und Hilfe bitten, ihm unser Leid und auch Unverständnis klagen, dürfen ihm wieder Besserung zutrauen!

Im Leben,
in der Trauer, 
als Sünder hinein in mein Reich

Eins der meistzitierten Gedichte des 20. Jahrhunderts heißt: Das Tor des Jahres, Orginaltitel: Gott weiß von Minnie Louise Haskins
Ich sagte zu dem Mann, der an der Pforte des neuen Jahres stand: "Gib mir ein Licht, damit ich sicher in das Unbekannte schreiten möge."
Und er antwortete: "Geh hinaus in die Dunkelheit und lege Deine Hand in die Hand Gottes, das wird für Dich besser sein als Licht und sicherer als ein bekannter Weg."


Minnie Louise Haskins
britische Dichterin und Soziologin an der London School of Economics (1875-1957), die übrigens in jungen Jahren Kindergottesdienst-Helferin und 12 Jahre lang Missions-Mitarbeiterin war.

noch einmal: wer ist gemeint?

Der seiende, der bleibende, der lebendige!
Gott ist nicht Vergangenheit, sondern er kommt von vorn auf uns zu.
ER bietet seine Hand, die uns festhält,

die uns ans Ziel bringt Im Tod einmal: Psalm 31, 6: „In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.“

Ich schließe mit einem Gedicht von Cäcilie Keller, das wir auch mitbeten können (*1800 †1876)

Wasche mich rein, hülle mich ein;
decke mich zu, bring mich zur Ruh!

Mache mich frei, mache mich treu;
da ist die Hand, knüpfe das Band!

Dein will ich sein, Dein ganz allein!
Rufe zu Dir: Schenke Dich mir!

Der für mich starb, der um mich warb
bis in den Tod, mein Herr und Gott!

Du sollst es sein, Du nur allein;
Hand, die nicht lässt, halte mich fest!

Amen!