Liebe Gemeinde!
Wir hören zunächst auf ein Wort aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 1 Vers 3: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“
Ein winziges Wörtlein ist mir in diesem Vers aufgefallen und wichtig geworden. Es ist das Wörtlein „hat“. Hier steht: Gott hat uns wiedergeboren, nicht: „Vielleicht bin ich ein wiedergeborener Christ, ich denke, ich hoffe, dass Gott uns wiedergeboren hat.“ Nein, hier steht: Gott hat uns wiedergeboren. Man könnte es auch so ausdrücken: Ich bin gewiss, dass ich zu Gott gehöre, dass ich ein Kind Gottes bin. Der Glaube hat es mit Tatsachen zu tun. Da geht es nicht um subjektive Befindlichkeiten, um ein Ahnen und Fühlen. Sonst kannst du ihn vergessen und wegwerfen.
Ist das nicht selbstverständlich? Ich denke nicht. Gerade in einer Welt, in der man „subjektiven Wahrheiten“ spricht. Ein Pfarrer hat in seiner 11. Klasse dazu etwas Aufschlussreiches erlebt. Er nahm das Thema „Die Auferstehung von Jesus“ durch. Wie bei einem Kriminalfall stellten sie sich folgende Fragen: Was ist passiert? Welche Indizien gibt es? Welche Zeugen haben was gesehen? Wie verlässlich und glaubwürdig sind ihre Aussagen?
Jedes Mal ist er immer wieder neu positiv überrascht, wie viele handfeste Indizien dafür sprechen, dass unser Glaube auf einem festen Grund steht, eben auf der Tatsache der leiblichen Auferstehung unseres Herrn Jesus.
Aber nun kam das Überraschende. In einem Kurs stellte der Pfarrer den Schülern abschließend die Frage: „Wäre aus eurer Sicht der christliche Glaube an Jesus und das ewige Leben sinnvoll, selbst wenn Jesus nicht auferstanden wäre?“ Natürlich erwartete er ein entschiedenes „Nein“. Umso geplätteter war er, dass sich mehrere Schüler einig waren: „Wenn es jemandem guttut, soll er es ruhig glauben. Egal, ob es wahr ist oder nicht.“
Bei diesem Antworten ging dem Pfarrer neu auf, wie viele Menschen, gerade auch jüngere, heute ticken: Es ist egal, was man glaubt. Es ist egal, ob es stimmt oder nicht. Hauptsache, es tut mir gut. Das ist die moderne Toleranz. Es gibt keine in religiösen Fragen objektive Wahrheit. Und wehe, es behauptet jemand, dass, was er glaubt, sei nicht nur für ihn, sondern für alle Menschen wahr. Dann kann er was erleben! Dann kann er sich der Empörung von vielen Menschen sicher sein. Man kann also den größten Blödsinn und Schwachsinn glauben. Wenn dieser Glaube mir guttut und sich vielleicht auch noch positiv auf mein Verhältnis meinen Mitmenschen gegenüber auswirkt, ist das in Ordnung.
Also, mir leuchtet so ein Denken nicht ein. Mir fällt dazu immer die Geschichte von jenem Menschen ein, der aus dem 30. Stock eines Hochhauses fällt. Zuerst hat er Angst. Aber dann, am 2. Stock angekommen, fühlt er sich so richtig wohl. Denn, so denkt er, bis jetzt ist doch alles gut gegangen. Ich muss nicht weitererzählen, was Sekundenbruchteile später passierte. Das gute Gefühl zerschellte an der harten Wirklichkeit des Asphaltes.
Wenn es um mein Verhältnis zu Gott geht, um das, was mein Leben trägt und worauf ich begründet nach meinem Tod hoffen kann, möchte ich mich nicht mit subjektiven Wahrheiten zufriedengeben. Was mir ein gutes Gefühl gibt, das kann mich letztlich täuschen.
Es geht um Fakten, Tatsachen. Zunächst einmal um die Tatsache der Auferstehung von Jesus. Ohne seine Auferstehung gäbe es kein Christentum, wäre es auch total sinnlos. Paulus redet in seinem Auferstehungskapitel in 1. Korinther 15 von vier Fakten, die für die Auferstehung sprechen: Christus ist gestorben, er ist begraben, dann ist er auferstanden und schließlich gesehen worden, von Petrus, den Zwölfen, 500 Jüngern, von Jakobus, von allen Aposteln und schließlich sogar noch von Paulus selbst. Das sind keine Mythen, keine Legenden, sondern Tatsachen, die in Raum und Zeit in Jerusalem und Galiläa um das Jahr 30 herum passiert sind.
Um es klar zu sagen: Die Botschaft von der Auferstehung Jesu von den Toten gehört zu den zentralen Glaubensaussagen der Bibel. Der Satz im Glaubensbekenntnis „auferstanden von den Toten“ ist keine Aussage, auf die man zur Not auch verzichten könnte. Sie gehört zum Fundament des Christentums. Ohne sie hätte das ganze Christentum keinen Sinn. Dann müsste ich sofort mit dem Predigen aufhören. Wir verehren im Gottesdienst keinen Toten, sondern rechnen mit dem lebendigen Jesus.
Die Auferstehung Jesu von den Toten ist eine der bestbezeugtesten Ereignisse des Altertums. Jeder Geschichtswissenschaftler wäre froh, wenn er so viele verschiedene Zeugnisse über ein Ereignis hätte, wie es bei der Auferstehung der Fall ist. Was die Evangelien, was die Apostel in ihren neutestamentlichen Briefen schreiben, lässt keine Fragen offen. Jesus ist von den Toten auferstanden. Daran besteht nicht der geringste Zweifel.
Die Auferstehung ist kein Betrug der Apostel. Die Jünger waren ja bereit, für den Auferstandenen in den Tod zu gehen. Für eine selbst ausgedachte Lüge? Unmöglich!
Die Jünger haben den Auferstandenen gesehen, nicht nur einmal, sondern mehrfach. Verschiedenste Personen konnten bezeugen: Wir haben ihn gesehen! Es war keine Halluzination, keine Einbildung.
Diese Tatsache der Auferstehung ist nun ein festes Fundament eines Lebens. In einem Glaubenslied von Jörg Streng heißt es: „Jesus lebt, wer ihm vertraut, der hat auf festem Grund gebaut.“
Das, was an Ostern geschehen ist, hat Folgen für jeden, der der Botschaft von der Auferstehung Glauben schenkt. Nicht erst einmal im Jenseits, sondern schon im Diesseits, jetzt schon. Jesus sagte einmal: „Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben.“ Wieder ist es wichtig, genau hinzuhören: Der hat das ewige Leben, nicht: Der wird es haben!
Ewiges Leben kommt in dein vergängliches Leben hinein, wenn du es Jesus anvertraust. Du kannst es wirklich erfahren: Die Schuld ist vergeben. Wie ausgelöscht. Das Leben hat noch einmal begonnen. Du bist wie neu geboren, ein wiedergeborener Christ.
Wer an Jesus glaubt, bei dem verändert sich etwas. Das Alte, wie die Angst, die Schuld ist vielleicht immer noch da, aber es hat seine Macht über einen verloren. Jesus ist bei dir, ja in dir. Das darfst du glauben.
Das ist der springende Punkt: der Glaube. Daran fehlt es uns oft. Wir sind vielmehr geneigt, der scheinbaren Macht des Faktischen zu glauben, als der verändernden Auferstehungsmacht Jesu Christi.
So wie jene stachlige Raupe, die zu sich selbst sprach: „Was man ist, das ist man! Man muss sich annehmen, wie man ist, mit Haut und Haaren. Was zählt, ist das Faktische. Alles andere sind Träume. Meine Lebenserfahrung lässt keinen anderen Schluss zu. Niemand kann aus seiner Haut!“
Als die Raupe dies gesagt hatte, flog neben ihr ein wunderbarer Schmetterling auf. Es war, als ob Gott gelächelt hätte.
Der Schmetterling beweist es: Man kann doch aus seiner Haut. Jenseits unserer Vorstellungskraft hat Jesus Möglichkeiten ein Menschenleben zu verändern. Er schafft neues Leben durch eine Neugeburt oder Wiedergeburt, von der Petrus in unserem Bibelvers redet.
Der Grund dieses neuen Lebens liegt außerhalb von uns. Er ist unerschütterlich. Der Grund dieses neuen Lebens ist eine Tat Gottes: die Auferstehung Jesu Christi.
Die Auferstehung ist der Beginn einer neuen Schöpfung, der Anfang der Wiedergeburt dieser Welt und auch unseres Lebens. Ostern ist das Unterpfand dafür, dass Gott mit uns Menschen und seiner Schöpfung noch etwas vorhat: die totale Erneuerung.
Jesus Christus ist keine geschichtliche Persönlichkeit, die der Vergangenheit angehört. Er ist der Auferstandene und Lebendige. Er ist auch heute noch da, auch heute in diesem Gottesdienst durch sein Wort. Jeder, der ihn darum bittet, bekommt seinen Sieg über Sünde und Tod. Wer an ihn glaubt, bekommt Vergebung und sein Auferstehungsleben. Er sagt es selber: „Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Das heißt, wer einmal begonnen hat, an Jesus zu glauben, dessen Leben ist untrennbar mit ihm verbunden. Luther drückt es so aus: Man ist mit Jesus zusammengebacken wie ein Kuchen. So wie man bei einem Kuchen die einzelnen Bestandteile wie Mehl oder Zucker nicht mehr trennen kann, so ist auch der Glaubende untrennbar mit Jesus verbunden, ein ganzes Leben lang, eine ganze Ewigkeit lang.
An dieser Tatsache können auch unsere Fehler und Sünden nichts ändern. Auch sie können uns nicht von Jesus trennen. Ein bekannter Erweckungsprediger konnte einmal eine ganze Nacht lang nicht schlafen. Sein ganzes Leben steht ihm vor Augen. Sein Einsatz für Gott und seine Frömmigkeit trösten ihn nicht. Er sieht vielmehr seine Schuld und sein Versagen, das doch viel größer war als seine guten Taten. Am nächsten Morgen sitzt er traurig am Frühstückstisch. Da tröstet ihn seine Frau: „Wenn wir denn verloren gehen, so muss der Herr Jesus mit verloren gehen. Er lässt sein Eigentum nicht los – ‚denn ich bin dein und du bist mein, und wo ich bin, da sollst du sein, uns kann der Feind nicht scheiden.’“
Jesus ist unser Freund, ein mächtiger, starker Freund. Der ist immer da, wenn wir ihn brauchen. An ihn können wir uns immer wenden. Wenn wir Angst haben oder traurig sind, können wir ihm alles sagen, was uns auf dem Herzen liegt. Auch von Süchten will er uns befreien, von allen unguten Eigenschaften. Wir brauchen uns nur an ihn wenden, das heißt zu ihn beten. Das können wir gar nicht oft genug hören. Denn das vergessen wir alle allzu leicht, dass Jesus doch lebt und dass er alle Macht im Himmel und auf Erden hat.
Aus diesem Glauben an den auferstandenen und allmächtigen Heiland Jesus Christus entsteht eine besondere Hoffnung. Petrus spricht hier von einer lebendigen Hoffnung. Tote Hoffnungen gibt es jede Menge, Hoffnungen, die irgendwann einmal gestorben sind. Hoffnungen, die ich auf Menschen gesetzt habe. Und die mich doch enttäuscht haben. Jede Menge enttäuschte Hoffnungen. Jede Menge erfüllte Hoffnungen, die aber irgendwann keine Rolle mehr spielen. Wie die Hoffnung auf Karriere, die einer tatsächlich gemacht hat. Im Ruhestand trägt sie nicht mehr. Das Berufsleben ist ja vorbei.
Petrus spricht dagegen von einer lebendigen Hoffnung, einer Hoffnung, die niemals stirbt. Man kann sie in zwei Worte zusammenfassen: Jesus Christus. Ein Christ darf die feste Hoffnung haben: „Von allem müssen wir Abschied nehmen, nur nicht von dir, Herr Jesus.“ Wenn wir manche liebegewordene Hoffnung begraben müssen, dann lasst uns sprechen: „Nur nicht von dir, Herr Jesus. Das Leben eines Christen ist nicht vom Tod und von der Vergänglichkeit bestimmt, sondern von einer herrlichen Zukunft, die auf ihn wartet. Wir dürfen und können loslassen, wenn Gott uns etwas nimmt, weil wir wissen; „Nur nicht von dir, Herr Jesus.“ Wir dürfen loslassen, auch wenn es schwerfällt, manchmal sogar sehr, sehr schwer.
Im Leben eines Christen gibt es auch Trauer und Tränen. Da müssen wir Abschied nehmen von einer langjährigen Beziehung, von einem erfüllten Berufsleben, von unserer jugendlichen Kraft und unserer Gesundheit, Abschied nehmen von lieben Menschen, die uns viel bedeutet haben. Aber mitten in den Tränen und der Trauer kann doch diese lebendige Hoffnung tragen, wie jenen Missionar, von dem ich zum Schluss erzählen möchte:
Mit Tränen in den Augen zimmert er den kleinen Sarg für seinen gestorbenen Jungen. Vor einem Jahr war er dem Missionarsehepaar in dem kleinen Dorf in Papua-Neuguinea geboren worden. Aber nun war er tot. Von ferne standen die Dorfbewohner. Einige wagten sich in die Nähe des Missionars. Einer sagte: „Dein Sohn ist tot, werdet ihr nun fortgehen?“ „Nein“, erwiderte der Missionar, „wir bleiben hier.“ Nachdenklich schaute der Mann dem Missionar zu. Dann begann er wieder: „Aber ihr werdet auch einmal sterben, was machen dann eure Kinder, die jetzt noch leben?“ „Da haben wir keine Sorge, die sind in Gottes Hand.“ „Missionar“, sagte der Eingeborene, „was seid ihr Jesusleute doch für Menschen. Ihr fürchtet den Tod nicht, und ihr könnt durch den Horizont sehen!“ „Ja“, sagte der Missionar, „wir können durch den Horizont sehen!“ Und wie er so spricht, fällt ihm ein, dass es in der Papuasprache kein Wort für die Hoffnung gibt. Das war ein gutes Wort für Hoffnung. Hoffnung haben heißt durch den Horizont sehen. Dorthin sehen, wo Jesus ist - die Hoffnung für die ganze Welt. Diese Hoffnung sieht durch den Horizont der gegenwärtigen Not und Schwierigkeiten. Sie weiß, dass dahinter Jesus und sein wunderbares Reich ist. Sie weiß, dass Gottes Pläne letztlich doch wunderbar sind.
Wie bevorzugt sind wir dadurch, dass wir die Hoffnung einer Ewigkeit haben. Peter Hahne prägte einmal das Wort, dass Christen eine GmbH seien, eine „Gesellschaft mit begründeter Hoffnung“. Wir hoffen ja nicht einfach ins Blaue hinein. Der Grund unserer Ewigkeitshoffnung ist der auferstandene Christus. Er lebt, und er gibt auch uns ewiges Leben. Und jetzt schon, heute können wir etwas von dieser Ewigkeit spüren, heute in diesem Gottesdienst und dann auch wieder draußen im Alltag. Auch wenn es mal wieder schwer wird: Trotte nur geduldig wie ein Packesel hinter Christus her. Lass dich von ihm leiten, tragen und führen, Schritt für Schritt, Tag für Tag. Dann kommst du ans Ziel.
Amen