Nikodemuskirche Bayreuth
So.14.09.2025 Predigt über Markus 3, 31 - 35 (Pfr. Hofmann)

31 Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. 32 Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. 33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? 34 Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! 35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

In drei Abschnitten möchte ich mit euch durch den Bibelabschnitt gehen.

1. Die "liebe Familie"

2. Der Wille Gottes

3. Innige Gemeinschaft mit Jesus

Der dritte Punkt ist der mit Abstand wichtigste.

1. Die "liebe Familie"

Ein junger Mann liegt krank im Bett Eine hübsche junge Dame klingelt an der Tür, hat einen Blumenstrauß in der Hand. Eine ältere Dame öffnet, und die Besucherin meint, sie sei die Vermieterin, und sagt: "Ich bin seine Schwester." - "Wie ich mich freue, Sie kennenzulernen! Ich bin seine Mutter!"

Heute wäre das nicht mehr ein Anlass zu Unwahrheiten, da besucht jeder jeden. - Was wollte die Familie Jesu von ihm? Er war gerade am Reden, und er hatte ganz interessierte Zuhörer. Und was muss das für eine Predigt gewesen sein, für eine Nähe Gottes, für eine Tiefe des Heiligen Geistes! Was muss das für eine wunderbare Gemeinschaft mit Jesus gewesen sein, wo sich diese Menschen Zeit nahmen, so dass Jesus sogar sagt: Die so auf mich hören und den Willen Gottes anstreben, das sind meine Schwester, mein Bruder, meine Mutter.

Es wird ja kaum etwas Alltägliches gewesen sein, wofür sie ihn stören ? so nach dem Motto: Wie läufst du rum? Du brauchst dringend mal wieder neue Sandalen und einen Haarschnitt! ? Nein, es wird vielleicht eher Angst um ihn gewesen sein: Rede dich nicht um Kopf und Kragen, Jesus! Da reden schon viele der Juden und Römer, wir haben Angst um dich! Oder vielleicht waren sie auch verwundert bis sauer oder neidisch auf die Zuhörer, mit denen Jesus viel mehr Zeit verbrachte als mit ihnen, der Kernfamilie, der Herkunftsfamilie.

Ich möchte an der Stelle betonen, dass wir das Nötige und Zustehende an Zeit und Hilfe für unsere Familie schon haben sollen. Wenn man in Beruf und Familie und Ehrenamt eingespannt ist, dann bleibt oft überhaupt nichts mehr übrig für die eigene Familie, da dürfen wir uns nicht falsch entschuldigen, auch nicht mit dem Vorwand: "Das mache ich für das Reich Gottes". Und an der Stelle muss ich mich auch entschuldigen bei meiner Mama, die oft auf mich verzichten muss wegen vieler Aufgaben in Dienst und Pflege.

Die Maria hat schon einiges mitgemacht mit ihrem Sohn. Denken wir an die Botschaft des Engels: "Was von dir geboren wird, wird vom Heiligen Geist sein" ? und sie musste das ihrem Verlobten erklären. Ja, ungewollt schwanger war damals eine mittlere Katastrophe, aber es war von Gott. Oder wie Simeon den kleinen Jesus, das Baby im Tempel, sieht und der Geist Gottes ihm zeigt: Das ist der, auf dem du dein ganzes Leben gewartet hast! Das ist der Messias. Da richtet er auch ein Wort an die Familie, segnet sie und spricht zu Maria, der Mutter: "Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen. Und er ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird" ? und jetzt kommt's - "auch durch deine Seele, Maria, wird ein Schwert dringen." Das heißt, Simeon hat schon vorausgesehen, dass das ganz schwer wird für eine Mama, mit anzuschauen, dass Jesus, ihrem geliebten Sohn, dem Zimmermannssohn, gerade durch seine Vollmacht und Liebe und seine Kraft Gottes, zu heilen, furchtbar widersprochen wird und dass sich da etwas zusammenbraut, das im grausamen Tod eines Aufrührers am Kreuz enden würde.

Ja, Maria hat viel mit ihm mitgemacht, und ich glaube, gerade in der Entscheidung, Gottes Willen zu befolgen und Gottes Willen zuzulassen, war sie und ist sie eine ganz Große im Reich Gottes. Nicht, dass wir sie anrufen sollen wie vielleicht in anderen Konfessionen, aber wir dürfen wissen, dass sie eine ganz Große, Tapfere war, schon als junges Mädchen. Und solche Menschen, solche jungen Mädchen und jungen Männer braucht es! Dass wir sagen: "Mir geschehe, wie du gesagt hast; du hast den Plan für mich und ich will gehen und gehorchen."

Und übrigens auch allgemein zur Familie: Wohl den Glaubenden, deren Familie überwiegend Mitchristen sind. Wie eine enge Mitarbeiterin sagte: "Meine Mutter ist zugleich meine Glaubensschwester." ? Ist doch toll, oder? Aber wo das nicht der Fall ist, seid ihr auch nicht von Gott vergessen. Vielleicht, wenn du die oder der einzige in einer ganz großen Verwandtschaft bist, die sich sonst nicht um Jesus schert. Aber dich hat Gott gerufen ? und wie der große Prediger Wilhelm Busch - nicht der mit Max und Moritz, sondern der Bergarbeiter und Jugendpfarrer ? mal gesagt hat: "dann bist du ein Landeplatz des Heiligen Geistes". Dann ist in dir sozusagen der Segen begonnen, den Gott in diese Familie bringen will, und dann lass dich nicht unterkriegen! Halt treu an Jesus fest und bete aber auch liebevoll für deine Angehörigen!

Also der liebende Wunsch Gottes auch für die unter euch, die Anschluss suchen und keine leibliche Familie haben an Schwestern und Brüdern. Ich bete darum, dass auch diese Gemeinde und unsere Kreise je länger, desto mehr wieder Familie Gottes werden, dass einer um den anderen ein bisschen weiß, dass wir füreinander beten, dass wir nicht neugierig sind, dass wir nicht schwätzen und dass wir zusammenstehen und dass jeder und jede willkommen ist. Wir brauchen diese "Zweitfamilie". Nicht nur für Einsame, sondern auch, damit unsere Kinder und Jugendlichen aufwachsen in einer Atmosphäre von Gottes Geist und wirklicher Annahme und auch nicht verkniffen und eng, sondern wirklich Jesus-nah und liebevoll und doch lebensstützend.

2. Der Wille Gottes

Man spricht ja oft leichthin vom Herrn und Bruder Jesus. Aber Jesus sagt es anders. Er sagt: Du bist mein Bruder, meine Schwester, meine Mutter sozusagen, hast ein ganz nahes Verhältnis zu mir, wenn und weil du Gottes Willen nicht nur hörst, nicht nur weißt, sondern auch tust oder zumindest tun willst. Nur dann, aber auch dann wirklich. Und da müssen wir uns schon mal gleich besinnen und durchschnaufen und merken: Das sind wir sehr oft noch nicht!

Was ist denn der Wille Gottes, was fällt uns dazu ein, was hat Gott so alles von uns gewollt? Zum Beispiel die zehn Gebote: die ersten drei (das Verhältnis zu Gott, der über allem steht), aber auch das Verhältnis zu den Mitmenschen (4 bis 10) oder ? andere Zählung ? 1 bis 4, wenn man das Bildergebot noch dazu nimmt, und 5 bis 10 dann die Mitmenschen.

Ihm vertrauen sollen wir im ganzen Lebensstil, tagsüber mit Jesus Verbindung halten. Gottes Wille steht über menschlichem Willen, das lesen wir in der Apostelgeschichte: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Auch in Weichen stellenden Entscheidungen nicht erst fragen, wenn ich schon entschieden habe und sozusagen manches Kind schon in den Brunnen gefallen ist, sondern vorher fragen: Herr, was willst du, das ich tun soll? Dass du die Weichen meines Lebens stellst, und wo ich mich entscheiden muss, möchte ich in deinem Sinne tun.

Ein paar wichtige Bibelstellen und Beispiele:

Micha 6, 8: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich: Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott." Ja, das will er wirklich von dir und mir und von jedem. Momentan haben wir vermutlich nicht solche Machthaber in der Welt, aber Jimmy Carter hat das damals zitiert bei seiner Vereidigung als US-Präsident.

Röm. 12, 2: "Und stellt euch nicht dieser Welt gleich", also: seid nicht identisch: so fies, so versaut, so doppelbödig wie die anderen, "sondern ändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille (!) ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene."

Im 1. Thessalonicherbrief, dem vermutlich ältesten Schriftstück des Neuen Testaments, schreibt Paulus zweierlei zum Willen Gottes: "Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht" (1.Thess. 4,3), also, kurz gesagt, körperlich sexuell nicht untreu seid, sondern auch da wirklich Gottes Willen, aber auch die unbedingte Bindung an den einen Menschen, falls dir schon jemand geschenkt hat, durchhaltet. ? 1. Thess. 5: "Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch."

Und weiter: Vor allem ? man könnte jetzt noch viel aufzählen; ich habe noch x andere Stellen gefunden - vor allem aber ist auch das Gottes Wille: "Es steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen" (Lk. 4,8). Das sagt nicht nur Jesus bei der Versuchung durch den Teufel, sondern das steht auch sonst im Alten und Neuen Testament wirklich zigmal drin, dass wir Ihn anbeten sollen, dass Er unser Einziges und Höchstes ist, aber wird das auch praktizieren.

Und damit wären wir beim letzten und wichtigsten Punkt:

3. Innige Gemeinschaft mit Jesus

Ach, ich wünsche mir so, dass das auch hier schon beginnt, dass ich nicht nur sage: "Also, Hausaufgabenheft raus ? zu Hause: dies und das und jenes!", sondern dass hier schon die innige Gemeinschaft beginnt mit deinem Herrn und Heiland, dass er selber spricht ? und vielleicht jetzt nochmal dazwischen ein kurzes Stoßgebet: "Herr, lass mich dir begegnen!"

Das Hauptthema ist Nähe zu Jesus. Wenn du ihm zuhörst und Zeit mit ihnen verbringst, dann bist du wirklich sein Bruder, seine Schwester, ihm ganz nah. Als die Schwestern Maria und Martha ? und es waren beides top Frauen, ja, die haben wirklich für ihn gecatert, die haben für ihn gebetet, die haben ihm Quartier gegeben im Haus ? die hatten eine WG zusammen mit ihrem Bruder Lazarus ?, die haben wirklich Jesus ganz viel unterstützt. Und als Martha aber nicht fertig war mit dem Kochen und Tischdecken, da hat Maria einfach so gebannt von Jesu Worten zugehört, und Martha regt sich auf und sagt: "Mensch, du könntest auch ein bisschen mit bedienen!" Und Maria? Sie lächelt Jesus an und er sie, und er sagt: Sie hat das gute Teil erwählt, sie hat die richtige Entscheidung getroffen. Das ist alles toll, Martha, du machst dir viel Mühe und ich nehme das auch als Liebe an, aber das Wichtigste ist mir ? und da bin ich fast schon satt vor dem Mittagessen ?, wenn du mir zuhörst, da freu ich mich ganz arg über dich.

Kann denn das sein, dass Gott sich über uns freut? Es ist nicht so, dass wir sagen: Ich bin so ein toller Hecht, da kann er mal stolz sein, dass er mich in der Gemeinschaft hat! Nein, das wäre fürchterlich, das ist grausamer Hochmut, das meine ich hier nicht. Sondern es heißt in Zefanja [3,17]: "Denn der HERR, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland (Gemeinschaft! Der Heiland ist bei dir). Er wird sich über dich (!) freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dich mit Jauchzen fröhlich sein." Ist das nicht Wahnsinn? Das trauen wir uns manchmal gar nicht zu hören, zu lesen, zu glauben, aber es ist wirklich so, dass der lebendige Gott, wenn er dich endlich mal in inniger Gemeinschaft hat und du nicht schon wieder woanders bist, dass er sich so über dich freut! Vor allem, wenn du seine Vergebung und Liebe annimmst. Ein größeres Geschenk kannst du dem Herrn nicht machen. Dann bist du sein ganz besonderer Liebling ? so darf ich mal menschlich sagen ?, wenn du seine Vergebung und Liebe annimmst. Und dazu gibt es ein Lied; [die zweite Strophe drückt die pure] Freude Gottes an der Gemeinschaft [aus]:

? Lied: Komm, Jesus, komm ?

Merkt ihr, was das für ein unglaubliches Vorrecht ist, dass wir Gemeinschaft haben dürfen mit dem Herrn aller Herren, mit dem König aller Könige, mit dem Messias Israels und dem Retter der Welt und auch deines und meines Lebens? Diesen Mittwoch las ich in der Stillen Zeit: [Charles H.] Spurgeon schreibt über die persönliche Stille Zeit mit Gott ein gewaltiges Wort: "Lasst uns nicht das Gesicht eines Menschen sehen" - am Morgen, meint er ?, "bevor wir Jesus getroffen haben. Zeit, die wir mit ihm verbringen. Ist für einen gesegneten Zweck investierte Zeit. Auch wir sollen Teufel austreiben und Wunder wirken, wenn wir in die Welt gehen als solche, die gegürtet sind mit jener göttlichen Energie, die uns Christus allein geben kann. Es ist nutzlos, in des Herrn Kampf zu ziehen, wenn wir nicht gerüstet sind mit der himmlischen Waffenrüstung. Wir müssen Jesus sehen. Das ist essenziell. Wir verweilen am Gnadenthron, bis er sich uns selbst manifestiert, wie er es nicht gegenüber der Welt tut." Auch da: durchschnaufen, sacken lassen. Vielleicht den Abstand erkennen und denken: O Herr, das ist nicht oft der Fall, aber ich sehne mich wieder danach.

Ihr Lieben, lasst uns die Gemeinschaft des Herrn suchen! Um seinetwillen, denn er ist es wert. Lasst uns die Gemeinschaft, die innige Gemeinschaft mit Jesus jeden Tag suchen! Um unseretwillen, weil wir sonst ? run dry ? weil wir sonst totlaufen, weil wir sonst im Glauben kaputtgehen, weil wir sonst einen geistlichen Kolbenfresser kriegen ohne das Öl des Heiligen Geistes. Lasst uns die innige Gemeinschaft mit Jesus suchen, um unserer Mitmenschen willen! Denn wieviel Schaden wird angerichtet, wenn wir ohne seine Gemeinschaft, ohne seine Heiligung, ohne dass wir durch seine formenden Hände gegangen sind, rausprellen auf andere Menschen, auf andere Seelen, auf andere Nöte, auf andere Angriffe, ohne seinen Schutz, ohne seine Liebe ? bitte, bitte nicht! Also: Diese innige Gemeinschaft mit Jesus, die lasst uns wieder suchen, die lasst uns wieder erbeten! Denn mit die wichtigste Bitte ist das Gebet um den Heiligen Geist, um die Nähe des Herrn, ? und dass wir uns dafür auch ein bisschen Zeit nehmen, Gottes Wort zu hören, auch still zu sein, was er dazu sagt, und treu zu beten. Nicht nur eine endlose Liste von zwanzig Gebetsanliegen runterrattern ? das dürfen wir auch ?, sondern wirklich sagen: Herr, sei du jetzt mein Mittelpunkt! Und er wird sich uns zeigen, erweisen und manifestieren. Und vielleicht dürfen auch wir dann diese Wunder erleben ? bei uns oder durch andere, das ist zweitrangig, aber dass der Herr wieder handeln kann, wie er will, weil er in uns wohnt und wir in ihm.

Das war die Gliederung:

1. Die "liebe Familie". ? Ganz wichtig: Sei dankbar dafür, ihr habt da Aufgaben, dürft euch nicht mit dem Reich Gottes rausreden. Aber

2. der Wille Gottes steht noch darüber, und

3. innige Gemeinschaft mit Jesus. ? Das ist wirklich unsere Aufgabe, und um alles andere möge sich der Herr kümmern, dann wirst du genug haben für dieses Leben und auch für seine ewige Welt. Amen


Ansprechpartner: Pfr. Thomas Hofmann thomas.hofmann@elkb.de. Telefon: 0151/11184708